"HIV und Alter"
(Mai 2010)
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Diana Zambelli,
Leiterin Betreutes Wohnen /
rosaALTER |
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Die Veränderung des Krankheitsbildes HIV/Aids und sich verändernde Bedarfe ist rückblickend betrachtet eng mit der Entwicklung der Kombinationstherapien und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen mit HIV/Aids verbunden.
Vor den Möglichkeiten der Kombitherapie war in den 80er Jahren das Thema Pflege von unmittelbarer Brisanz, da HIV und Aids im engen Zusammenhang mit Krankheit und Sterben stand. Die Versorgung und Pflege von Schwerkranken und Sterbenden stand im Mittelpunkt und Themen wie Sterben und Trauer, Patientenverfügung, Vorsorgevollmachten etc. bildeten die großen Herausforderungen. Entsprechend dieser Notwendigkeiten kam es zum Aufbau eigener Strukturen zur Versorgung der (oft jungen) Schwerkranken: Spezialpflegedienste wurden eingerichtet, Fortbildungen für medizinisches und pflegendes Personal von Pflegediensten und Kliniken durchgeführt, Ehrenamtliche wurden zur Betreuung und Sterbebegleitung benötigt, eine 24-Stunden-Pflege zuhause etabliert und die Versorgung mit Wohnraum bzw. um Hospizplätze erkämpft.
Nachdem die Kombinationstherapien in den 90er Jahren zu greifen begannen, veränderte sich die Lebenssituation für Menschen mit HIV/Aids allmählich: Die Überlebenszeiten wurden länger, dafür nahmen aber die Nebenwirkungen und deren Folgen an Bedeutung zu. Es kam zu der Situation, dass Betroffene wieder aus den Hospizen entlassen werden konnten, daraus ergab sich aber eine neue Versorgungslücke: Sie waren zu krank, um alleine zurechtzukommen, und doch zu gesund für die Versorgung in Klinken und Hospizen. In Reaktion hierauf wurden die Wohnprojekte ausgebaut und ausdifferenziert. Verschiedene Bedarfe entstanden, es ging nicht mehr nur ums überleben, sondern ums weiterleben mit der HIV Diagnose.
Die aktuelle Situation ist nun so, dass der medizinische Fortschritt ein deutlich längeres Leben mit HIV/Aids ermöglicht und auch das Thema Versorgung im ALTER immer zentraler im Zusammenhang mit HIV/AIDS betrachtet werden muss. Hinzu kommt eine gesundheitliche und/oder soziale Ausdifferenzierung unter den Menschen mit HIV/Aids, z.B. hinsichtlich der „Krankheitsgeschichten“ von relativ neu Infizierten gegenüber den schon lange Infizierten, Früh- und Spätdiagnostizierten oder z.B. bei Menschen mit so genannten Multiproblemlagen, bei denen HIV -nur- als ein weiteres Problemfeld erschwerend hinzukommt. Außerdem verschieben sich die Problemlagen: Weniger die Nebenwirkungen der Kombinationstherapien spielen ein Rolle als vielmehr die zunehmenden Krebserkrankungen und psychischen Auffälligkeiten/Erkrankungen sowie altersbedingte Beeinträchtigungen. Die allgemeine Versorgungssituation wird zudem durch veränderte politische Rahmenbedingungen wie dem Sozialabbau, der Gesundheitsreform etc. erschwert.
Vor diesem Hintergrund besteht nun die grosse Herausforderung für Aids-Hilfen „passende“ Angebote für diese Vielfältigen Hilfebedarfe anzubieten. Bereits bestehende Angebote müssen bedarfsorientiert überprüft werden, Projekte erweitert und neue Angebote geplant werden.
Angesichts des voran schreitenden Abbaus des Sozial- und Gesundheitswesens (und damit einhergehenden finanziellen Unsicherheiten) sowie der Beobachtung, dass das Leben mit HIV/Aids ‚bunter’ geworden ist, stellt sich somit die Frage nach den Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen der Arbeit der Aids-Hilfe im Bereich der Versorgung.
Insbesondere das Thema „Alter(n) mit HIV“ stellt uns vor neue Herausforderungen:
- Grundsätzlich betrachtet erfordert die Erhöhung der Lebenserwartung einen neuen spezialisierten Zweig der Medizin: die ALTERSmedizin ( unter Einbezug von HIV). Dieser Zweig ist bisher nur bedingt erforscht worden.
- Die Lebenserwartung von HIV positiven Menschen steigt grundsätzlich an. Ausnahmen finden sich hier oftmals bei den sogenannten „late Presentern“ (Spätdiagnostizierten).
Meist sind hier akute stationärer Aufenthalt notwendig, die Weitervermittlung aufgrund von Multiproblemlagen ist oftmals sehr schwierig, da kaum passende Einrichtungen im Budesgebiet vorhanden sind.
- HIV Patienten sind mehr als die Gesamtbevölkerung bedroht von
Herzinfarkt
Organschäden
Neurologischen Schäden
Osteoporose ( noch nicht med. belegt).
Im Alter besteht dadurch die erhöhte Gefahr von Oberschenkelhalsbrüchen ( Osteoporose),Co – Infektionen ( Hep B/C),Krebserkrankungen ( wg. Geschwächtem Immunsystem) und Analkarzenomen (MSM)
- Psychische Belastung:
„Ich bin chronisch krank UND ansteckend“ – einzige chronische Krankheit die ansteckend ist.
Psychische Belastung erhöht sich im Alter bei HIV Infizierten,
Altersbedingte Einschränkungen
Hiv spezifische Belastungen
Altersdepression
Neurologische Veränderungen
Bei regelmässiger Compliance und Verträglichkeit können die HIV bedingten Themen so gut wie wegfallen, aber die altersbedingten Einschränkungen bestehen.
Bei dem Aufbau einer Versorgungsstruktur wird dann HIV bezüglich der traditionellen Altenhilfeeinrichtungen wieder zum Problem.
FAZIT:
Bedarfe müssen erkannt und erschlossen werden um entsprechende Versorgungsstrukturen zu schaffen um Menschen mit HIV/AIDS im Alter bedarfsorientierten Setting versorgen zu können. Insbesondere im ländlichen Bereich stellt dies grosse Probleme da. Vernetzungsstrukturen müssen aufgebaut, Ängste bei den professionellen Anbietern, die immer noch bestehen, abgebaut werden. Eine Auseinandersetzung mit der Finanzverwaltung, Politikern und anderen Institutionen über die langfristige finanzielle Absicherung von Angeboten ist unabdingbar. Nur dann kann eine individuelle Versorgung von Menschen mit HIV /AIDS auch im Alter garantiert werden !
Diana Zambelli
Leiterin Betreutes Wohnen / rosaALTER
[ diana.zambelli@muenchner-aidshilfe.de]
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