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Kolumne
   
"So kann eine ehrenamtliche Begleitung sein. Ein Erfahrungsbericht"

(Mai 2013)

 Silke Pfingstmann von der  Betreuungsgruppe der
 Münchner Aids-Hilfe
   
Seit drei Jahren bin ich Teil der Ehrenamtlichen Betreuungsgruppe hier im Haus. Hier möchte ich darüber berichten, wie es mir mit meiner letzten Begleitung eines Bewohners ergangen ist:

Im Herbst letzten Jahres bekam ich von der Leitung unserer Gruppe per E-Mail eine Anfrage für eine zweite ehrenamtliche Begleitung.

Ich las sie interessiert durch und konnte kaum glauben, dass mich ein Klient von sich aus fragt, ob ich ihn begleiten möchte. Mein Herz sagte sofort "ja" - obwohl ich berufstätig bin werde ich die Zeit aufbringen. Als ich den Namen des Klienten las – Dieter -, lächelte ich meinen PC an, da er mich am Anfang meiner ehrenamtlichen Begleitung zum Reinschnuppern eingeladen hatte, bevor ich meinen allerersten eigenen Klienten bekam. Von dem Tag an hatte er einen Platz in meinem Herzen und ich wollte ihm gerne das Gefühl geben, nicht allein zu sein.

Unser erstes Treffen fand in der Betreuten Krankenwohnung (BKW) bei Kaffee und Keksen statt. Eingeführt wurde ich von Dieters Sozialpädagogin, die auch zu Beginn des gemeinsamen Gespräches mit dabei war. Sehr schnell konnten er und ich eine Verbindung herstellen und alleine weitersprechen. Er kannte mich auch schon von den gemeinsamen zweimonatlichen Kochaktionen, die wir Ehrenamtler_innen für die Bewohner_innen des stationär Betreuten Wohnens regelmäßig machen.
Wir waren uns sympathisch und Dieter gefiel meine ruhige Art. Wir vereinbarten, dass ich alle 14 Tage zu ihm komme und dass wir zusammen, wenn es das Wetter erlaubt, ins Café, Kino, Konzert (Perpetuum Jazzile) oder zum Olympiaturm gehen. Den Termin für das Konzert hatten wir schnell im Internet rausgesucht und in Betracht gezogen.
Hier machte uns ein REHA Termin dann einen Strich durch die Rechnung.

Kein Problem! Ich besuchte Dieter einfach in der REHA und als Überraschung hatte ich noch einen weiteren Ehrenamtler dabei. Ich weiß, wie sehr ihn das gefreut hat.
Und egal, welche Krankheiten er hatte: Sein starker Lebenswille half ihm immer über schwere Zeiten hinweg. Dieter war eben ein Stehaufmännchen. Niemals hat er gejammert, war immer der starke, große Mann, der keine Schwäche zeigt, wie ich immer sagte.

An meinem Geburtstag bekam ich völlig überraschend eine Geburtstagskarte von ihm aus der REHA geschickt. Nach so einer kurzen Zeit eine kleine Aufmerksamkeit zu bekommen, war für mich eine große Überraschung und Freude. Ich konnte sehen, dass ihm die Begleitung durch mich etwas bedeutete.

Kurz vor Weihnachten trafen wir uns in der BKW, um gemeinsam ins OEZ zum Einkaufen zu fahren und nahmen uns ein Taxi. „Nimm das und das mit und dann gehen wir zur Kasse!“, sagte Dieter während er auf die Kleider zeigte. Ich fragte nur: „Wie willst Du´s probieren?“, worauf er nur behauptete:„Ich weiß, das passt schon". Und so war´s auch.
Nachdem wir so zackig fertig geworden waren, gönnten wir uns zum Abschluss Kaffe und Kuchen und beobachteten die Leute und unterhielten uns.

Ein weiteres Highlight ist für alle Klient_innen des Betreuten Wohnens immer die Weihnachtsfeier, die wir Ehrenamlter ausrichten – so auch für Dieter. Dieses Event wollte er sich nicht nehmen lassen, obwohl es ihm an diesem Tag gesundheitlich nicht gut ging.

Das hat mich sehr gefreut und natürlich hatte ich ein kleines Geschenk für ihn parat und das Versprechen, nächstes Jahr mit ihm auf den Olympiaturm zu fahren.
Doch das neue Jahr begann mit Krankenhausaufenthalten. Dieters Gesundheitszustand verschlechterte sich – Lungenentzündung, Herzprobleme, viele Komplikationen – das volle Programm. Für mich stand sofort fest, ihn von nun an jede Woche zu besuchen, um ihm Mut zuzusprechen und das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. Wir scherzten oft, dass er mir beim nächsten Besuch mit dem Rollator entgegen kommen würde. Leider verschlechterte sich dies nach 2 OPs, so dass Dieter plötzlich ans Bett gefesselt war und ohne Hilfe nicht einmal mehr aufstehen konnte. Alles war auf einmal anders. Dieters Leben war nicht mehr so, wie er sich das vorstellte und er hatte riesige Angst ein Pflegefall zu bleiben. Ich glaube, er wünschte sich hier bereits oft an einen anderen Ort, um nicht mehr leiden zu müssen. Sein Körper war geschwächt durch die vielen Krankheiten und hatte kaum noch Ressourcen, aus denen er schöpfen konnte. Für einen gesunden Menschen ist so etwas gar nicht vorstellbar, aber aus Sicht eines chronisch Kranken mit vielen Handicaps nachvollziehbar.

Dieter ging Ende Februar, friedlich und mit einem lächelnden Gesicht von dieser Welt.

Ich bin dankbar für jeden einzelnen Tag, den ich mit ihm verbringen konnte und bin für ihn erleichtert, dass er nicht mehr leiden muss. Dieter lebt in meinem Herzen weiter und in den Menschen, die ihn schätzten.
Die gemeinsame Trauerfeier empfand ich für mich sehr wichtig und auch der Pfarrer ging auf sein Leben eingehen und hat ihn so dargestellt wie er war. Das empfand ich als sehr schönen Abschied.
Er hat die BKW als sein zu Hause gesehen und München als seine Heimat.

Durch die ehrenamtliche Tätigkeit habe ich sehr viel für mein Leben lernen können und das wünsche ich jedem Menschen, so schöne aber auch traurige Erfahrungen zu machen, die zum Leben gehören. Im Grunde zählt die Gesundheit und mit dieser gehe ich heute bewusster um als zu vor.

Ein dickes Lob möchte ich an das Team des Betreuten Wohnens aussprechen, das alles versucht, um die Klient_innen Tag für Tag zu begleiten, zu motivieren und zu pflegen. (Ob im Krankenhaus oder in der Wohnung, bei Behörden usw.). Und die jederzeit ein offenes Ohr für uns Ehrenamtler_innen haben.

Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit in der Betreuungsgruppe oder eine der zehn anderen Gruppen? Wir freuen uns immer über Unterstützung! Der Infoabend findet jeden letzten Freitag im Monat um 19 Uhr statt! [ mehr...]

Silke Pfingstmann
Betreuungsgruppe der Münchner Aids-Hilfe
[ www.muenchner-aidshilfe.de/Betreuungsgruppe ]



Archiv

April 2013:
D. Zambelli, P. Geissdörfer, S. Lorenz, P. Priller - "5 Jahre ist doch kein Alter"

März 2013:
Martin Jautz - "Erster Fachtag für ehrenamtliche Mitarbeiter_innen der Münchner Aids-Hilfe"

Februar 2013:
Horst Schreck und Michèle Lutzenberger - "Die Arbeitsmarktreform ist bei uns angekommen"

Januar 2013:
Michal Tappe - "Die Münchner Aids-Hilfe ist ausgezeichnet!"



Dezember 2012:
Engelbert Zankl - "Gibt es bald eine Aidsfreie Generation?"

November 2012:
Michael Tappe - "Positiv zusammen leben"

Oktober 2012:
Michael Tappe - "Umfairteilen! – Warum die Münchner Aids-Hilfe mitmacht"

September 2012:
Diana Zambelli - "Vom Leben und Sterben bei der Münchner Aids-Hilfe"

August 2012:
Michael Tappe - "Die Welt-Aids-Konferenz 2012"

Juli 2012:
Antje Sanogo - "Fight for global rights - Solidarität kennt keine Grenzen"

Juni 2012:
Andrea Brunner - "10 Jahre Aktionsbündnis gegen Aids - Wir bleiben dran!"

Mai 2012:
Katharina Gruber - "Auch HIV positive Menschen in schwierigen Lebenslagen haben ein Recht auf Lebensqualität!"

April 2012:
Martin Jautz & Kai Kundrath - "Aktion Verantwortung"

März 2012:
Ralph - "10 Jahre Stammtisch der positiven Heteros"

Februar 2012:
Mario Simeunovic - "Reform, Kahlschlag oder Chance?"

Januar 2012:
entfällt



Dezember 2011:
Michael Tappe - "HIV-positiv & mitten im Leben?"

November 2011:
Antje Sanogo - "Wie läuft es eigentlich mit dem Zugang zu HIV-Therapie in den Entwicklungsländern?"

Oktober 2011:
Meike Jakobs - "Wenn elf eine Reise tun ..."

September 2011:
Ben Wermuth (ver.di Jugend München) - "ver.di ist beim 'run for life' dabei!"

August 2011:
Nikolai Podak - "Das Ehrenamt - warum?"

Juli 2011:
Dr. Susanne Hillebrand - "Lesben in der Aids-Hilfe"

Juni 2011:
Michael Tappe - "30 Jahre Aids - wo stehen wir heute?"

Mai 2011:
Christopher Knoll - "Irrationale Ängste im rationalen System – Diskriminierung von Positiven im Medizinsystem"

April 2011:
Diana Zambelli - "Beratungsstelle rosaAlter hat ihre Modellphase erfolgreich abgeschlossen"

März 2011:
Antje Sanogo - "Betrug mit HIV-Medikamenten"

Februar 2011:
Michael Tappe - "Ein neuer Aufbruch im Drogenbereich"

Januar 2011:
Michael Tappe - "Es hätte anders ausgehen können ..."



Dezember 2010:
Christian Kranich - "Welt-Aids-Tag 2010: Positiv zusammen leben -
klappt das am Arbeitsplatz?!"


November 2010:
Antje Sanogo - "Worte und Taten"

Oktober 2010:
Peter Becker - "Kann Laufen Aids verhindern?"

September 2010:
Sandra Ebermann - "Durch Rentenbezug in die Schuldenfalle"

August 2010:
Christian Kranich - "Platz 3 für die Projekte des Bereichs Arbeit & Beschäftigung (BAB) in der Münchner Aids-Hilfe"

Juli 2010:
Michael Tappe - "Die neue Bedrohung: Syphilis???"

Juni 2010:
Sandra Ebermann - "Für das recht auf Leben"

Mai 2010:
Diana Zambelli - "HIV und Alter"

April 2010:
Thomas Niederbühl - "Münchner Aids-Hilfe gründet Münchner Regenbogenstiftung mit"

März 2010:
Antje Sanogo - "So lebt es sich mit Hartz IV - Statements zur Regelsatzdebatte"

Februar 2010:
Horst Schreck und Michèle Lutzenberger - "Alle werden teurer, wir werden besser!"

Januar 2010:
Michael Tappe - "Kommt das Jahrzehnt der Heilung?"



Dezember 2009:
Thomas Niederbühl - "Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung. Für uns und für andere."

November 2009:
Simone Koschewa - "Wir sind das rosaALTER!"

Oktober 2009:
Christian Kranich - "HIV am Arbeitsplatz oder 40.000 HIV-positive Menschen in Beschäftigung"

September 2009:
Christopher Knoll - "Schon wieder ein Virus! - Hepatitis C Aktion für schwule Männer"

August 2009:
Peter Becker - "Weil jeder Schritt zählt! Und das aus voller Lebenslust!"

Juli 2009:
Michael Tappe - "Die Lust auf Leben"

Juni 2009:
Engelbert Zankl - "beweg dich!"

Mai 2009:
Martin Jautz - "Die einseitige Umsetzung des Gleichbehandlungsprinzips in den Bayerischen Haftanstalten ist ungerecht!"

April 2009:
Diana Zambelli - "Paradigmenwechsel in der Altenhilfe – Chance und Herausforderung!"

März 2009:
Antje Sanogo - "Internationale Wochen gegen Rassismus - Machen Sie mit!"

Februar 2009:
Thomas Niederbühl - "25 Jahre Münchner Aids-Hilfe"

Januar 2009:
Felicitas Sauter - "Staatliche Hilfen zum Lebensunterhalt sind ungerecht!"



Dezember 2008:
Thomas Niederbühel - "Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung. Für uns und für andere."

November 2008:
Gert Hartmann - "Man stirbt nicht mehr an Aids?"

Oktober 2008:
Horst Schreck und Michèle Lutzenberger - "Neue Preise im Café Regenbogen."

September 2008:
Ulrike Falkenstein - "Von München über den Brenner an den Gardasee – eine lange Reise durch die Wirrungen des deutschen Krankenversicherungssystems."

August 2008:
Mario Hocheder - "Von einem Hetero, der was dazugelernt hat!"

Juli 2008:
Michael Tappe - "CSD in München: Brücken bauen - zu jedem Ufer"

Juni 2008:
Martin Jautz - "Besuch hinter Gittern."

Mai 2008:
Michael Tappe - "Ansteckung billigend in Kauf genommen? Die Verurteilung eines HIV-positiven schwulen Mannes wegen gefährlicher Körperverletzung."

April 2008:
Engelbert Zankl - "Die 12. Münchner Aids-Tage: PräventionsBotschaften, MenschenRechte, TherapieForschritte."

März 2008:
Antje Sanogo - "Save me – eine Stadt sagt ja!"

Februar 2008:
Michael Tappe - "Stadtratswahl 2. März: Was sagen die Rathaus-Parteien zu HIV?"

Januar 2008:
Diana Zambelli & Ulrike Falkenstein - "rosa Alter"



Dezember 2007:
Thomas Niederbühl - "Gemeinsam gegen AIDS: Wir übernehmen Verantwortung. Für uns und für andere."

November 2007:
Steffi Vogel & Christian Kranich - "Chronisch versteckt – Arbeit und Beschäftigung bei Menschen mit HIV und Aids"

Oktober 2007:
Peter Wiessner - "Augen zu und durch! Kondome gibt’s in Haft nur nach Verschreibung durch den Doktor …"

September 2007:
Bärbel Hermann - "Keine Wohnung für HIV-Positive…?"

August 2007:
Thomas Niederbühl - "Wir wollen mehr. Für München – nicht nur zum Christopher-Street-Day am 11.August 2007"

Juli 2007:
Horst Schreck und Michèle Lutzenberger - "Unser schönes neues Café Regenbogen!"

Juni 2007:
Christopher Knoll - "Risiko?? Checkpoint!!"

Mai 2007:
Marcus Lichtmannegger - "Meine Zeit als Krankenpfleger bei der Münchner Aids-Hilfe"

April 2007:
Andrea Brunner - "Switch - die andere Seite®"

März 2007:
Barbara Riedel - "Bundesregierung verwehrt Schwerkranken die nötige Hilfe!"

Februar 2007:
Christopher Knoll - "DANKE FÜR SAFER SEX - Die neue Kampagne für schwule Männer"

Januar 2007:
entfällt



Dezember 2006:
Thomas Niederbühl - "Gemeinsam gegen AIDS: Wir übernehmen Verantwortung. Für uns und für andere."

November 2006:
Michael Tappe - "Gemeinsam gegen Aids: Darf's ein bisschen mehr sein?"

Oktober 2006:
Engelbert Zankl - "25 000 Teilnehmer und 2 Bills: 16. Internationale AIDS Konferenz, Toronto, 13.-18.8.2006"

September 2006:
Peter Wießner- "Der Papst kommt. Der Papst geht."

August 2006:
Thomas Niederbühl - "Wir sind füreinander da - auch zum Christopher-Street-Day am 12. August 2006"

Juli 2006:
Andrea Brunner - "Aktion zur Fußballweltmeisterschaft: freiersein"

Juni 2006:
Ulrike Falkenstein - "Die rosa ALTERnative Eine alternative Wohnform für homosexuelle Männer im Alter"

Mai 2006:
Antje Sanogo - "Bleiberecht für langjährig geduldete Flüchtlinge gefordert"

April 2006:
Peter Wiessner - "Sex, Politik und Haft"

März 2006:
Horst Schreck und Michèle Lutzenberger - "Neues vom Café Regenbogen"

Februar 2006:
Jutta Klein - "Der Aufbau eines neuen Beschäftigungsprojekts für substituierte Drogenkonsumenten"

Januar 2006:
Engelbert Zankl - "Welche Meldungen gibt’s wohl 2006?"



Dezember 2005:
Susanne Steinhauser-Kirsch - "Das Hospiz in der Lindwurmstraße schließt"

November 2005:
Thomas Niederbühl- "Welt-Aids-Tag 2005. Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung. Für uns und für andere."

Oktober 2005:
Peter Wießner - "Aids-Hilfe als Arbeitsgeber - das neue Tagungszentrum"

September 2005:
Marcus Lichtmanegger - "Betreutes Wohnen"

August 2005:
Michael Tappe - "Lust und Sicherheit"

Juli 2005:
Christopher Knoll - "Der HIV-Test in der schwulen Szene"

Juni 2005:
Peter Wiessner - "Welcome to America!?"

Mai 2005:
Engelbert Zankl - "Supervirus, Superinfektion, Bareback, ..."

April 2005:
Johanna Schneider - "Hartz VI in der Beratung"

März 2005:
Peter Wießner - "Zur Beteiligung an der Hepatitis C Aktionswoche"




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