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Engelbert Zankl,
Mitarbeiter der
HIV-Therapie-Hotline |
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„Supervirus“, „Superinfektion“,
„Bareback“, ............
(4. Mai 2005)
Ich finde, gerade bei den sehr emotionalen Diskussionen über Bareback, werden immer Definitionen vermischt. Das ärgert mich sehr, weil dadurch oft manipulativ argumentiert wird.
Ich habe deshalb versucht, die Begriffe, die in der Debatte eine Rolle spielen, etwas klarer darzustellen, um etwas mehr Sachlichkeit einzubringen. Ich weiß natürlich, dass auch meine Darstellung von meiner Meinung geprägt ist und habe versucht, die Erklärung der Begriffe möglichst sachlich-objektiv zu halten und meine Meinung separat am Ende deutlich zu sagen.
Was ist dran am Supervirus?
Der schwule NewYorker hat sich mit einem multiresitenten HI-Virus angesteckt. Bis zum Mai 2003 war er noch HIV-negativ, im November 2004 hatte er dann Fieber und Entzündungen, der Test war dann positiv. Die Helferzellzahl war 80/ml Blut, was in den USA zur Diagnose AIDS ausreicht. Deshalb wurde von einer Erkrankung innerhalb von 3 Monaten nach Infektion berichtet.
Er berichtete von ungeschütztem analen Sex mit vielen, auch mit anonymen Partnern (auch Barebackparties, bei denen er oft die Droge Methamphetamin, „Crystal“ nahm).
Eine Resistenzbestimmung ergab nur noch die Wirksamkeit von 2 HIV-Medikamenten (Sustiva und Fuzeon(T-20)). Die Vermehrungsfähigkeit dieses höchstresitenten Virus war 136% gegen über einem Wildtypvirus, d.h. es vermehrt sich schneller und hat nicht an Vermehrungsfähigkeit, wie es normalerweise bei resistenten Viren ist, eingebüsst.
Ein rasches Fortschreiten der HIV-Infektion wurde zwar selten aber immer wieder beobachtet ( 7 von 10 000 Infizierte erkranken bereits nach 6 Monaten, 45 von 10 000 innerhalb des 1. Jahres).
Ungewöhnlich ist bei dem New Yorker Fall, dass zwei Phänomen gleichzeitig auftreten, die bisher nur getrennt beobachtet wurden:
- Ein schneller werdendes resistentes Virus
- Ein rasche Fortschreiten der Krankheit
Eine plausible Erklärung hierfür wäre, dass nur das fitteste multiresitente Virus übertragen werden kann.
Es gibt hier noch sehr viele offene Fragen, die hoffentlich bald beantwortet werden können.
Da bisher trotz intensiver Suche in New York keine weiteren Fälle bekannt geworden sind, können wir hoffen, dass es ein Einzelfall bleibt.
Superinfektion
Hierunter versteht man die nochmalige Infektion mit einem anderen Virusstamm oder Virustyps. Bisher wurden schon einige Superinfektionen nachgewiesen, aber inwieweit sie für den Krankheitsverlauf relevant sind, ist noch ungeklärt. Die bisher geringe Anzahl der weltweit dokumentierten Fälle legt Vermutung nahe, dass das Risiko gering ist.
Superinfektionen scheinen nur bei unbehandelten Postiven oder während einer Therapiepause möglich zu sein.
Übertragung von resistenten Viren
Hier werden bei einer Neuinfektion resistente Viren übertragen. Ob dies bei einer Superinfektion möglich sein kann, ist noch unklar.
In Deutschland sind ca. 12 % der Neuinfektionen mit resistenten Viren( gegen mindestes eine Medikamentenklasse resistent)
Normalerweise sind resistente Viren schwerer übertragbar, Ausnahmen sind leider möglich: siehe New Yorker Fall!
Barebackparties
Außer der Möglichkeit der HIV-Übertragung gibt es natürlich noch die Möglichkeit sich mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit zu infizieren, was durch steigende Zahlen bereits belegt ist.
- Für Positive
Entstanden durch die Kondommüdigkeit der Positiven und dem Wunsch nach ungeschütztem Sex. Also haben sie Parties in Leben gerufen, um untereinander ungeschützt Sex zu haben (Motto: Uns kann sowieso nichts mehr passieren, wir haben es ja schon!)
Für unbehandelte Positive kann dies in Bezug HIV eine mögliche Superinfektion bedeuten(siehe oben), für behandelte Betroffene scheint es ein geringes Risiko zu sein.
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Für Negative
Entstanden natürlich auch durch den Wunsch nach ungeschützem Sex. Negative suchen andere Negative, um mit ihnen ungeschützten Sex haben zu können, ohne das Risiko einer HIV-Infektion einzugehen. Hier ist natürlich die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich „vermeintlich Negative“ darunter befinden (Frischinfizierte, deren Test noch negativ war oder Ungetestete), und somit natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass die HIV-Infektion weiter gegeben wird.
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Für Positive und Negative
Auch hierfür gibt es Gründe, warum Menschen sich solche Parties wünschen (z.B. Wunsch nach Infektion ). Für viele, die auf solche Parties gehen, scheint die Aussicht, sich dabei zu infizieren nicht besonders beängstigend zu sein. Die Chance, sich dort zu infizieren ist natürlich sehr hoch.
Für alle, egal ob positiv oder negativ, besteht bei solchen Parties unabhängig von dem Risiko einer HIV-Übertragung natürlich noch die Möglichkeit, sich mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit zu infizieren.
Meine Meinung:
Ich kann den Wunsch nach „Sex ohne Kondom“ gut nachvollziehen. Nicht nachvollziehen kann ich allerdings, dass es jemandem egal ist, ob er sich infiziert oder gar, dass sich jemand infizieren möchte. Dazu kenne ich die negativen Folgen einer HIV-Infektion zu genau. Jemandem, der negativ ist, und hofft, auf Barebackparties lange negativ zu bleiben, wenn er „es“ nur mit anderen Negativen macht, kann ich nur raten, sich nach weniger riskanten Möglichkeiten umzuschauen, ungeschützten Sex zu haben.
Die manchmal geäußerte Meinung der HIV-Negativen:
„Falls ich mich dann infiziere, nehme ich halt Pillen“
kann man inzwischen nur so beantworten:
„Wenn’s noch welche gibt, die bei dir wirken!“
Mir als Positivem ist der ungeschützte Sex mit einem anderen Postiven auch lieber. Ich fühle mich dann nicht mehr für den anderen verantwortlich und kann meine Sexualtät unbeschwerter geniessen. Vor einer Superinfektion habe ich persönlich keine Angst, weil ich davon ausgehe, dass ich durch meine gut wirkende HIV-Therapie davor geschützt bin. Es kann natürlich sein, dass sich irgendwann herausstellt, dass es doch möglich ist, sich trotz wirksamer HIV-Therapie nochmal zu infizieren. Dann werde ich meine Haltung wohl überprüfen müssen.
Es wird in der nächsten Zeit eine Veranstaltung zu diesen Themen geben, bitte Veranstaltungstermine beachten.
engelbert.zankl@muenchner-aidshilfe.de
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