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Peter Wießner,
Mitarbeiter in der
Beratungsstelle |
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„Welcome to Amerika!?“
(28. Mai 2005)
Diskriminierende Einreisebestimmungen für Menschen mit HIV und Aids
Bald ist wieder Sommer und somit Reisezeit, auch für Menschen mit HIV. Das ist schön, zumindest für jene, die gesund genug sind und es sich leisten können. Vor Reiseantritt kann es allerdings ratsam sein, Vorsicht walten zu lassen. Dies trifft ganz besonders auf Entwicklungsländer zu, auf Länder die von religiösem Fundamentalismus geprägt bzw. unterwandert sind und auf Länder, die angesichts terroristischer Bedrohung, an der Grenze zur Paranoia stehen.
Vorsicht also vor Reisen in die USA!
Für Menschen mit HIV und Aids ist dies nichts Neues. Das Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“ verschließt seit langem seine Grenzen vor Menschen mit HIV. Dies ist auch der Grund, weshalb seit dem Boykott der Internationalen Aids Konferenz in San Franzisko durch Aktivisten (1990), keine der großen Konferenzen in den USA durchgeführt worden sind. Dies trifft zumindest auf die Konferenzen zu, denen die Teilnahme von Menschen mit HIV wichtig ist.
Wollen Menschen mit HIV in die USA einreisen, müssen sie schriftlich erklären, ob sie bspw. an einer infektiösen Erkrankung leiden. Wenn sie bei einer Lüge ertappt werden (bspw. durch die Entdeckung „verdächtiger“ Medikamente im Handgepäck), dann kann dies dazu führen, dass sie mit dem nächsten Flieger zurückgeschickt werden. Uns sind Fälle bekannt, in denen dies durchexerziert worden ist. Eine lebenslange Einreisesperre ist dann sicher. Einzige Möglichkeit dem zu entgehen wäre es, einen „Waiver“ zu beantragen, das ist eine Art Versicherung zur Abdeckung des Risikos. Problematisch dabei ist, dass entsprechende Vermerke in den Reisepass eingetragen werden können. Und das ist nicht wirklich schön, vor allem dann, wenn man öfters im Ausland unterwegs ist.
Die USA steht mit ihren diskriminierenden Einreisebestimmungen übrigens nicht alleine da: Eine von der DAH in Auftrag gegebene Studie brachte zutage, dass ca. 60 % der 169 befragten Ländern diskriminierende Einreisebestimmungen verabschiedet haben. Meist beziehen sich diese Bestimmungen auf länger dauernde Aufenthalte, bspw. zur Arbeit, zum Studium etc. Nur in wenigen Ländern gibt es einen totalen Boykott auch für kurzfristige Aufenthalte: So findet sich die USA in trauriger Gemeinschaft mit Ländern wie Lybien, Moldau, Brunei, Armenien, Oman, Saudi Arabien, Irak, Korea und die Russische Föderation, um nur einige zu nennen....
Zweck dieser restriktiven Maßnahmen ist es sicherlich die Importware Aids „draußen“ zu halten, ein absurdes Unterfangen angesichts globaler Vernetzung und sicherlich auch eine falsche Präventionsstrategie mit fragwürdiger Botschaft, frei nach dem Motto: „wenn wir die Grenze dicht halten, dann sind wir sicher“. Das Gegenteil ist richtig, denn Aids ist bereits „angekommen“, ausschließlich Kondome sind sicher und wohin das Wiegen in falscher Sicherheit führen kann, können wir derzeit an den Ländern der Russischen Föderation beobachten.
Die diskriminierenden Maßnahmen gegenüber Menschen mit HIV sind kurzsichtig, unfair und unsolidarisch.
Die Deutsche Aidshilfe gibt in einer Broschüre regelmäßig eine Zusammenstellung aller erhältlichen Einreisebestimmungen heraus. Darin aufgenommen sind auch medizinische Hinweise für Menschen mit HIV, zusammengestellt von Helmut Hartl. Kostenlose Exemplare gibt’s bei uns in der Beratungsstelle.
Alle Daten sind auch im Internet zugänglich. Wer bspw. wissen möchte, wie bestmöglich mit den Bestimmungen in den USA umgegangen werden kann, welche Strategien es gibt, worin die Gefahren liegen und wie diese umgangen werden können, für den stehen ebenfalls Informationen im Netz bereit.
Es gibt aber auch einen „altmodischen“ Weg an die entsprechenden Informationen heranzukommen: ein Anruf in unserer Beratungsstelle genügt, wir helfen gerne weiter.
Peter Wiessner
[peter.wiessner@muenchner-aidshilfe.de]
Linktipps
[http://www.aidsnet.ch/linkto/immigration]
Alle Informationen zu den 169 Ländern in Deutsch, Englisch und Franzößisch.
[http://www.aidsnet.ch/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=246]
Spezialseite mit Informationen zu den USA, bisher nur in Englisch, demnächst auch in Deutsch.
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