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   Christopher Knoll,
 Mitarbeiter der
 Beratungsstelle
   
"Der HIV-Test in der schwulen Szene“
Ein Projekt von Münchner Aids-Hilfe, Projekt Prävention im Sub und Anonymer Aids-Beratungsstelle der Stadt München

(29. Juni 2005)
„Frank“ ist 32 Jahre, schwul, zuletzt getestet vor 8 Jahren. Seit diesem Test gab es einige Situationen, in denen Frank ein gewisses Risiko eingegangen ist, sich mit HIV zu infizieren. Einen Test zu machen, dazu hat er sich nicht durchringen können: Er wollte niemandem sagen, dass er Risiken eingegangen ist. Und ob er überhaupt einen Test machen will – das weiß er eigentlich auch nicht genau. Wenn er wüsste, dass der Test negativ ausfallen würde, würde er ihn natürlich sofort machen. Aber das weiß er nicht genau. Wenn der Test allerdings positiv wäre – dafür hat Frank gar keinen rechten Plan. Was würde sich da alles ändern? Der Sex auf jeden Fall. Jetzt kann er noch entscheiden, mit einem Mann, der seinen Serostatus auch nicht kennt, ungeschützten Sex zu machen – wo man nichts weiß ist ja alles möglich. Wenn er positiv wäre könnte er das nicht mehr so leicht. Und: Wer ist dann für ihn da, wenn er positiv ist – als Freund, als Partner, als jemand, der sich um ihn sorgt? Das sind Fragen, die er nicht beantworten will und kann. Und somit ist Frank einer der vielen ungetesteten schwulen Männer in München.

Der HIV-Test ist gerade für ungetestete schwule Männer oft ein schwieriges Thema, wie das Beispiel von Frank zeigt. Man setzt sich nicht gerne mit HIV auseinander - und warum sich damit belasten, wenn man wahrscheinlich nicht positiv ist. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich gerade ungetestet Männer oft sehr mit der Frage nach dem Test - und mit der Frage ob sie infiziert sein könnten - quälen. Der Test wäre ein Ausweg aus dieser Unsicherheit – aber auch gleichzeitig ein Weg zum möglichen Positivsein.

Wir, die Münchner Aids-Hilfe, befürworten den Test, weil die schwule Szene sich geändert hat: Früher verhielt man sich als Ungetesteter eher so, als sei man selbst oder der Partner positiv. Heute verhalten sich viele Ungetestete, als seien sie und der Partner negativ. Dieses Verhalten blendet HIV aus dem Kopf aus, aber nicht aus dem Körper: Viele Ungetestete sind leider nicht mehr negativ und geben - ohne es zu wissen - ihre Infektion weiter. Getestete schwule Männer, ob negativ oder positiv sind eher bereit, sich und andere zu schützen.

Und wir befürworten den Test, weil 80% derer, die mit AIDS ins Krankenhaus kommen, bis dahin nicht wussten, dass sie HIV-positiv sind. Ein Test macht nicht negativ, wenn man es nicht ist, aber er würde zu einem Zeitpunkt Klarheit schaffen, an dem man noch viel tun kann, um Erkrankungen zu vermeiden.

Es gibt gute Gründe für den Test. Und wir wollen ein gutes Umfeld für den Test schaffen. Und für manche ist ein schwules Umfeld, in dem Sie die Beratung und den Test durchführen, lieber, da es für sie dort weniger beschämend ist, über ihre Risiken zu reden. Wir – die Münchner Aids-Hilfe, das Projekt Prävention im Sub und die Anonyme Aids-Beratungsstelle der Stadt München - möchten ein Alternative bieten und den Test „näher“ an die Leute heranbringen: Mit einem Test-Angebot in der Szene.

Am Freitag den 29. Juli werden wir von 17 bis 22 Uhr den HIV-Test im Sub, Müllerstrasse 43, anbieten – gratis, anonym und natürlich ohne Voranmeldung. Die Berater sowie der Arzt, der die Blutabnahme durchführt, sind selbst schwul, so dass für manche die Hemmschwelle vielleicht etwas sinkt. Wir möchten genauso diskret sein wie jede andere Test-Stelle – es wird kein Szene-Happening. Aber wir wollen ein vertrautes – und wir wollen ein schwules Umfeld anbieten, um manchen schwulen Männern die Entscheidung für den Test zu erleichtern. Weil wir überzeugt sind, dass das gut so ist.

Christopher Knoll
Beratungsstelle der Münchner Aids-Hilfe
[christopher.knoll@muenchner-aidshilfe.de]


Linktipps

[http://praevention.subonline.org]
Projekt Prävention im Sub

[www.muenchen.de]
Anonyme Aids-Beratungsstelle der Stadt München
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