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| Kolumne | ||||||
– auch zum Christopher-Street-Day am 12.August 2006 (August 2006) Seit 1979 feiern in Deutschland Schwule, Lesben, Bi und Transgender den Christopher-Street-Day als ihren Protest- und Feiertag, um an die Ereignisse in New York 1969 zu erinnern. Damals entstand durch den Widerstand gegen ständige Polizeirazzien die neue Lesben- und Schwulenbewegung. Die vier großen sozialpolitischen Vereine der schwul-lesbischen Community, Sub, Letra, Rosa Liste und wir, die Münchner Aids-Hilfe, sind seit unseren Gründungen selbstverständlich beim CSD dabei. Schließlich ist die Münchner Aids-Hilfe aus der schwulen Selbsthilfe entstanden, weil Schwule als erste und am meisten von Aids betroffen waren – und noch sind. Deshalb verstehen wir uns auch als Teil der Community. Außerdem richten sich unsere satzungsgemäßen Zwecke, wie Einzel- und Gruppenangebote oder die Aids-Prävention vor allem auch an schwule Männer. Der CSD ist deshalb eine hervorragende Plattform für unsere Öffentlichkeitsarbeit, da in der Regel 30.000 schwul-lesbischeTeilnehmerInnen und 70.000 ZuschauerInnen bei Münchens größter Politparade durch die Münchner Innenstadt, dem anschließenden Strassenfest mit Infoständen, der Abendveranstaltung im Rathaus und weiteren Kultur- und Diskussionsveranstaltungen erreicht werden können. Auch in diesem Jahr beteiligen wir uns am CSD-Motto „Wir sind füreinander da“ im Café Regenbogen (Lindwurmstr. 71) mit verschiedenen Veranstaltungen [ Am 2. August eröffnen wir mit einer Diskussion um 19.30 Uhr die Ausstellung „A family takes care?“ Anhand verschiedener Bilder, Anzeigen- und Plakatmotiven wird das Verhältnis zwischen Schwulenbewegung und Aids-Hilfe ausgeleuchtet. Mehrerer Referenten werden sich der Diskussion stellen, indem sie „ihr“ Bild von HIV/Aids vorstellen. Der Titel „A family takes care“ bezieht sich auf ein beliebtes Plakat der frühen „Aids Jahre“. Mit diesem Plakat richtete sich Aids-Hilfe vehement gegen die sich abzeichnende Ausgrenzung der Menschen mit HIV. Auf dem Plakat zu erkennen sind Schwule, Behinderte und Mitglieder anderer „Randgruppen“. Die Protagonisten sitzen gemeinsam um sich sorgend beim Picknick auf einer Wiese: „Wenn wir füreinander da sind“, so die Botschaft des Plakats, „werden wir die die Bedrohung abwenden“. Dieses und ähnliche Plakate werden vom 2.-20. August im Café Regenbogen (mo-fr 11-14 Uhr, die-fr 18-23 Uhr) gezeigt. Am 15. August werden wir ab 19 Uhr Miteinander tafeln. Für die Münchner Aids-Hilfe. Das Café Regenbogen bietet zum CSD ein Benefiz-Menü, dessen finanzieller Gewinn direkt in die Aids-Arbeit fliesst. So wird ein kulinarisches Miteinander zum solidarischen Füreinander. Das ist Solidarität, die schmeckt! Neben unseren eigenen Veranstaltungen setzen wir durch die Kernveranstaltung des CSD-Wochenendes, nämlich die politische Demonstration am 12. August, auch ein zentrales Anliegen um: durch die Veränderung der gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen soll die Lebenssituation unserer Klienten verbessert werden. Deshalb fordern wir gemeinsam mit der Community kreativ und kämpferisch Solidarität, Toleranz und Akzeptanz für die Lebensrealität von Lesben, Schwulen und Menschen mit HIV, fordern die Fortsetzung der Gleichstellungspolitik und machen unsere Kritik an Ablehnung und Ausgrenzung deutlich. So heisst es z.B. in unserer Satzung, dass wir „die Lebensbedingungen von HIV- und Aids-betroffenen Menschen durch Interessensvertretung, politische Arbeit, allgemeine Information und Zusammenarbeit mit anderen Institutionen verbessern“ wollen. Schwerpunkt beim CSD wird selbstverständlich auch die HIV-Prävention sein. In diesem Jahr mit der Kampagne „Bleib negativ. Es lohnt sich!“ Doch dazu mehr von Michael Tappe, Fachlicher Leiter der Münchner Aids-Hilfe: "Bleib Negativ. Es lohnt sich!" Wieder so ein blöder Spruch zum CSD von der Aids-Hilfe! Könnte man meinen. Unsere Erfahrung zeigt jedoch etwas anderes. Die meisten gehen wie selbstverständlich davon aus, dass jeder negativ bleiben will. Beispiel: der Spruch „Bleib gesund“ hat seine Berechtigung, weil zwar alle gesund bleiben wollen, aber die wenigsten sich auch aktiv darum kümmern, indem sie sich etwa gesund ernähren oder Sport treiben. Ähnlich ist es heute mit dem „Negativ Bleiben“: Alle wollen negativ bleiben, so gut wie niemand legt es wirklich bewusst darauf an, sich zu infizieren. Aber immer weniger schwule Männer tun aktiv was dafür, dass das auch so bleibt. Immer mehr Männer gehen immer öfter beim Sex Infektionsrisiken ein, im Glauben „es wird schon nichts passieren“. Manche denken auch „wenn’s passiert, ist es ja nicht so schlimm, es gibt ja Pillen.“ Wir wollen mit unserer Kampagne die Leute anstoßen, sich mal ernsthaft zu fragen „Will ich wirklich negativ bleiben? Was tu ich dafür?“ Wir wollen zeigen, was angenehme und unangenehme Folgen einer HIV-Infektion sein können. Wir wollen zum Diskutieren und zum Nachdenken anregen und hoffen, etwas mehr Bewusstsein zu schaffen und wieder etwas mehr Bereitschaft, für die eigene Gesundheit etwas zu tun. Es ist ja wirklich recht verlockend, in gewissen Situationen auf ein Kondom zu verzichten. Und das Leben mit HIV scheint ja wirklich nicht mehr so schrecklich zu sein, wie noch vor 10 Jahren. Viel mehr Spass für ein klein wenig Einschränkung (Pillen)? Wir finden: so klein sind die durch eine HIV-Infektion hervor gerufenen Einschränkungen nicht. HIV bedeutet leider mehr als ein paar Pillen schlucken. Wir finden, der Vergleich der erfreulichen und der unerfreulichen Folgen spricht für sich: Es lohnt sich tatsächlich, negativ zu bleiben und dafür beim Sex gewisse Einschränkungen in Kauf zu nehmen! Komischerweise wird uns von manchen Kritikern der Kampagne vorgeworfen, wir würden ungeschützten Sex zwischen Positiven verherrlichen und so dafür sorgen, dass sich mehr Leute infizieren, weil sie fortan auch im Garten der uneingeschränkten, hemmungslosen Lust wandeln können. Am besten, man verschwiege den Fakt, dass Positive meist kein Risiko eingehen, wenn sie miteinander ungeschützt schlafen. Erziehung durch Verschweigen? Großartige Idee! Das bringt mich zum Motto des CSD „Wir sind füreinander da!“ Sind wir das wirklich? Der Vorwurf an die Aidshilfe, nicht genug oder das Falsche gegen die Neu-Infektionen zu tun ist ja nicht neu. Mal heißt es, wir müssen den Leuten mehr Angst machen, mal, wir müssen Leute, die sich beim Sex nicht schützen anprangern. Wenn wir differenzierte Informationen geben zu mehr oder weniger riskanten Praktiken, heißt es gleich, das dürfe man nicht, das sei verwirrend und würde die Leute nur zum unsafen Sex verführen. Dass solche, wie ich finde unsachliche Kritik, von außen kommt, muss ich wohl hinnehmen. Meist kommt diese Art von Kritik aber von innen, also aus der Community. Ich habe natürlich nichts gegen Kritik, im Gegenteil. Ich ärgere mich aber über gebetsmühlenartig vorgetragene Variationen desselben Leitthemas: wir (die Aids-Hilfe) sollen gefälligst dafür sorgen, dass die Schwulen sich nicht zu sehr gehen lassen, dass der Sex schön sauber, ordentlich und sicher abläuft….und hoffentlich nicht allzu viel Spass macht. Und ich ärgere mich darüber dass solche Kritiker dann auch lieber andere Organisationen mit Spenden bedenken und das auch noch ganz stolz überall erzählen. Unter „Füreinander da sein“ stelle ich mir etwas anderes vor. Michael Tappe Fachlicher Leiter, Beratungsstelle Stellvertretender Geschäftsführer [ |
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