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   Peter Wießner,
 Mitarbeiter der
 Beratungsstelle
   

"Der Papst kommt. Der Papst geht."

(September 2006)

Am 9. September kommt Papst Benedikt XVI nach München. Am 10. September geht er wieder. Viele Menschen freuen sich darüber. Nicht alle sind über diesen Besuch gleichermaßen glücklich. Am Vortag des Ereignisses wird es am Sendlinger Tor eine Protestkundgebung geben. Um 11 Uhr wird dabei an die Diskriminierung und gesellschaftliche Ausgrenzung Schwuler und Lesben durch die Katholische Kirche erinnert. Das ist verständlich und notwendig: War es doch nicht zuletzt Herr Ratzinger, der die Anerkennung der eingetragenen Lebenspartnerschaften als die „Legalisierung des Bösen“ brandmarkte und Homosexualität als „schwere Verirrung“ verunglimpfte. Natürlich hoffen wir, dass viele der „unfehlbar Verirrten“ an der Demonstration teilnehmen werden…

Bereits im Vorfeld ist die Aufregung darüber groß: Darf man gegen einen Papst demonstrieren? Muss nicht Respekt gezollt werden, vor einem Mann, der Einfluss hat und eine Weltkirche repräsentiert? Wäre es nicht wünschenswert, wenn Schwule und Lesben dem Papst tolerant und weltoffen entgegenträten, in einer Haltung also, die man sich von den Vertretern der Katholischen Kirche aufs Sehnlichste erwünscht? So in etwa die Argumente der „Bedenkenträger“ (darunter auch einige der Schwulen und Lesben, denen allein der Gedanke an eine Anti-Papst-Demo einen unheiligen Schauer über den Rücken jagt).

Als Lutheraner, ehemaliger Diakon und Aidshilfe Mitarbeiter bleibe ich da ganz gelassen und pragmatisch: Gerne sähe ich es, dass wir angesichts des Besuchs „die Kirche im Dorf“ lassen. Für mich ist der Papst (auch nur) ein Mensch, wenn auch mit ganz besonderer Machtbefugnis, mit besonderem Titel und Outfit. Und als Menschen sollten wir Papst Benedikt den XVI denn auch behandeln. Nach 60 Jahren geübter Demokratie in unserm Land sollte es eigentlich auch kein Problem mehr darstellen zu demonstrieren, oder etwa doch?

Mit allem Respekt vor dem Papst: Meine Lebenserfahrung zeigt mir, dass Päpste kommen und gehen. Das Leben, so scheint mir gleichwohl, findet andernorts statt. Auch deshalb sollten wir gelassen bleiben: Spätestens gegen Weihnachten wird sich die Aufregung über diesen Besuch wieder gelegt haben.

Ich höre, dass der Papst in München ein Wunschbuch überreicht bekommen wird. Als Mitarbeiter der Münchner Aidshilfe wünsche ich gerne mit! Und so Gott will, mögen meine Wünsche auch in Erfüllung gehen:

1. Ich wünsche mir, dass der Papst erkennt, wie viele Menschen sich aufgrund des Kondomverbots der Katholischen Kirche täglich mit HIV infizieren und dass er seine ablehnende Haltung ändert. Gerne hätte ich, dass in Afrika und andernorts auf der Welt, die Katholische Kirche undogmatisch akzeptiert, wie Menschen ihre Sexualität leben und ihnen Schutzmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Anstatt Fahrzeuge, Waffen und Panzer zu segnen, sollten an allen Enden der Welt zukünftig Kondome gesegnet und nach Bedarf zur Verfügung gestellt werden!

2.
Ich wünsche mir, dass der Papst erkennt, wie sehr er im Einklang mit seiner Institution an der auferlegten Sexualfeindlichkeit und Homophobie leidet. Homosexuelle Menschen, innerhalb und außerhalb der Katholischen Kirche stehend, werden dadurch schwer belastet, stigmatisiert und ausgegrenzt. Menschenleben zerbrechen und werden mutwillig zerstört. Der großartige Beitrag, den homosexuellen Priester und Menschen an der Verwirklichung einer humanen Kirche und Gesellschaft leisten könnten, bleibt dadurch begrenzt.

3.
Des weiteren wünsche ich mir, dass der Papst anlässlich seines Besuchs in München erfährt, wie befreiend es sein kann, Menschen als Gleiche zu begegnen, ohne sie aufgrund ihres Lebensstils, ihres Geschlechts oder ihrer Überzeugung zu bewerten und moralisch in Frage zu stellen. Gerne sähe ich die innerkirchliche Einsicht wachsen, dass die eigene Aufwertung stets mit der Abwertung anderer einhergeht. Da manche der dadurch Leidtragenden ihre Abwertung mit dem Leben bezahlen ist das alles andere als leichtfertig dahingesagt.

Soweit meine ersten drei Wünsche für den Papst und die Katholische Kirche.

Da ich noch viele andere Wünsche habe und ich überzeugt davon bin, dass sie über kurz oder lang in Erfüllung gehen, freue ich mich schon mächtig auf den nächsten Papstbesuch!

Peter Wießner
Mitarbeiter der Beratungsstelle
Leitung Tagungszentrum
[ peter.wiessner@muenchner-aidshilfe.de]

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