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Keine Wohnung für HIV-Positive…?

(September 2007)

Eine Wohnung in München zu finden ist nicht einfach. Einen Antrag für eine Sozialwohnung vollständig auszufüllen, ist auch nicht leicht. Die Wartezeit der Bearbeitung einer Sozialwohnung stellt jeden auf eine harte Probe, auch Menschen mit HIV.

Bevor ich mein Praktikum im Rahmen meines Studiums begann, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, mir darüber Gedanken zu machen, ob es für jemanden, der HIV-Positiv ist, schwerer ist, eine Wohnung zu finden, als für jeden anderen. Ich ging davon aus, dass allen Menschen, die in großer Not sind und die schwere gesundheitliche Probleme haben, schnell geholfen wird, natürlich auch Menschen mit HIV. Doch nun, nach knapp 5 Monaten bei der Aidshilfe, sehe ich das leider nicht mehr so. Was ich für selbstverständlich hielt, entpuppte sich als schier unmöglich.

Was ist passiert? Ich sollte einem Klienten, der von akuter Obdachlosigkeit bedroht war, helfen, eine Wohnung zu finden. Eine klassische Aufgabe für eine Sozialpädagogik-Praktikantin wie mich. Für solch akute Fälle gibt es Notunterkünfte. Die Unterbringung durch das Wohnungsamt in eine städtische Unterkunft bewahrt zwar vor einem Leben unter der Brücke. Doch Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsbäder sind wohl weniger das, was man sich unter einem gemütlichen Zuhause vorstellt. Wenn es sich dann noch um einen kranken Menschen handelt, ist das kaum zumutbar. Vor allem, weil es es sich dabei selten um eine Übergangslösung handelt. Meist sind die Menschen mangels Wohnalternativen gezwungen, länger dort zu bleiben. Auf eine Zuweisung einer Sozialwohnung zu warten, erfordert viel Zeit, Durchhaltevermögen und Geduld. Aus diesem Grund kam ich auf die Idee, mich für den Klienten, der selbst dazu momentan nicht in der Lage war, selbst an Genossenschaften, Makler und Vermieter von Appartements heranzutreten, und für den Klienten eine Wohnung zu finden. Sicherlich ist die Wohnungssituation in München schwierig. Natürlich ist es auch für jemanden, dessen Wohnung vom Sozialamt finanziert, wird noch schwieriger. Mir war also von vorneherein klar, dass sich die Suche nach einer Wohnung nicht einfach gestalten wird. Als Studentin hatte ich da ja schließlich genügend eigene Erfahrungen.

Die Wohnbaugenossenschaften sagten fast alle ab, meist mit dem glaubhaften Argument, dass ihre Wartelisten voll seien. Eher ziellos suchte ich nun über das weltweite Netz und wurde fündig: Appartements von privat, Einzelzimmer mit Küchenzeile, sanitäre Anlagen zwar zur gemeinschaftlichen Nutzung, aber eine gesicherte Privatsphäre war gegeben. Es war kaum zu glauben. Am Telefon meldete sich eine sehr freundliche Dame, die damit einverstanden war, dass wir immer über email Kontakt aufnehmen könnten, falls ein Klient von uns dringend eine Wohnung benötigen sollte. Andersrum wollte sie Bescheid geben, wenn mal wieder ein Zimmer bei ihr frei werden sollte. Wie es der Zufall wollte, war dann tatsächlich zu diesem Zeitpunkt auch ein Zimmer frei. Ich rief die freundliche Dame nach Rücksprache mit meinem Klienten nochmals an und bat um ein Vorstellungsgespräch. Ein leichter Stimmungswechsel machte sich im Tonfall bemerkbar. Sie war unsicher geworden. Kann man sich anstecken bei der Nutzung von gemeinschaftlichen sanitären Anlagen? Wäre es möglich ein Attest zu schicken, in dem dies zu 100% ausgeschlossen werden könnte? Meine Anfrage wurde auf Eis gelegt, das Attest umgehend per e-mail gesendet. Einen Tag banges Warten, dann rief ich wieder an.

„Nein, das wollen wir nicht!“, sagte die bis vor kurzem noch freundliche Dame und legte einfach auf. Ich war entsetzt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Meine Kollegen in der Aids-Hilfe berichteten mir, dass dies nichts Besonderes sei. Immer noch reagieren viele Menschen panisch, wenn sie wissen, in ihrem Umfeld lebt ein Positiver. Immer noch bestehen alte, nicht gerechtfertigte Infektionsängste. Immer noch haben es Positive dadurch viel schwerer, eine Wohnung zu finden, oder auch einen Arbeitsplatz.

Was ich also gelernt habe in meinem Praktikum ist, dass Vorurteile und Ängste oft stärker sind als Vernunft und Menschlichkeit. Das ist bitter, aber auch mein Ansporn, weiter zu machen, meine „Naivität“ zu bewahren und weiter daran zu glauben und mich dafür einzusetzen, dass Menschen in Not ein recht auf Hilfe haben.

Bärbel Hermann
Praktikantin in der Beratungsstelle
[ beratungsstelle@muenchner-aidshilfe.de]
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