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| Kolumne | |||||||
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"Man stirbt nicht mehr an Aids? " (November 2008)
Ludwig (39) verstarb Ende Oktober im Schwabinger Krankenhaus an den Folgen seiner Aidserkrankung. Ich erinnere mich gerne an ihn, an seine direkte, offene und ehrliche Art seine Meinung auszudrücken. Ludwig konnte in seinem bayerischen Idiom schimpfen, wie ein Rohrspatz, behielt aber auch seinen Humor, wenn es ihm schlecht ging. Ludwig hatte das Glück, Geschwister und Freunde zu haben, die auch in schwierigen Zeiten zu ihm standen, ihn unterstützten und ihn bis zum Schluss nicht im Stich ließen. Ludwig konnte in Frieden sterben. Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl „Es hätte noch nicht sein müssen“. Ein anderer Klient des Case Mangagements der Münchner Aids-Hilfe verstarb am 18.10.08 im Hospiz, ein weiterer liegt im Sterben und wird den Welt-Aids-Tag wohl nicht mehr erleben. Der Tod dieser Menschen führt uns schmerzhaft vor Augen, dass trotz wirksamer HAART (= hochaktive antiretrovirale Therapie) immer noch Menschen an den Folgen ihrer Aidserkrankung sterben. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Manche Menschen erfahren zu spät von ihrer Infektion, manche fangen zu spät mit einer Therapie an, bei einigen schlagen die Medikamente nicht ausreichend an, einige sind nach jahrelanger Therapie körperlich am Ende und einige Menschen nehmen aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Medikamente nicht oder nicht regelmäßig ein. Auch Ludwig hatte immer wieder seine Medikamente nicht in der verordneten Weise eingenommen. Teils waren körperliche Beschwerden der Grund dafür, teilweise aber auch seelische Belastungen. Als fatal erwies es sich, dass Ludwig diese „Pausen“ versteckte und die möglichen Folgen verdrängte. Dadurch verschlechterte sich sein Gesundheitszustand nach kurzer Zeit erheblich. Wenn es nicht mehr ging, ließ sich Ludwig im Krankenhaus aufnehmen. Nach jedem Krankenhausaufenthalt war sich Ludwig sicher, in Zukunft die Medikamente regelmäßig einzunehmen und bei Problemen rechtzeitig seinen Arzt oder mich als seinen Case Manager zu informieren. Er schaffte es nicht. Immer wieder kam es zu diesen Notaufnahmen. Jetzt zuletzt war sein Körper so stark ausgezehrt und sein Immunsystem so geschädigt, dass ihm nicht mehr zu helfen war.
Für uns ist dies bitter. Unsere Aufgabe im Case Management ist es, in Krisensituationen ein Netz zu knüpfen aus medizinischen, pflegerischen, sozialen und psychologischen Hilfen, um ein möglichst selbständiges, erfülltes Leben mit Krankheit zu ermöglichen. Meist gelingt dies. Viele unserer Klienten können nach einer Weile, wenn für ihre Probleme eine Lösung gefunden wurde, und sie gut medizinisch und pflegerisch versorgt sind, gut mit ihrer Erkrankung leben und brauchen uns oft nicht mehr. Das freut uns. Ludwigs Tod zeigt uns schmerzhaft unsere Grenzen auf. Trotz intensiver, vor allem zeitintensiver, flexibler Betreuung, trotz eines guten Vertrauensverhältnisses, und trotz seines Wunsches, zu leben, trotz aller Anstrengungen konnten wir ihn nicht am Leben halten. Dieser Tod hätte nicht sein müssen. Uns bleibt nur, unsere Grenzen zu akzeptieren und zu trauern. *Der Name des Verstorbenen wurde geändert. Gert Hartmann Case Manager DGCC Krankenpfleger/Lehrer für Pflegeberufe [ |
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