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| Kolumne | ||||||
beweg dich!
Diese Aktion der Münchner Aids-Hilfe läuft seit 20. April und soll Positive motivieren, sich mehr um ihre Gesundheit und ihr allgemeines Wohlbefinden zu kümmern. „Was soll ich den noch alles machen? Jeden Tag pünktlichst meine Pillen nehmen, jeden Monat das neue Rezept beim Arzt holen, jedes Quartal zum Blutabnehmen und danach zum Arzt zum Besprechen der Ergebnisse… Jetzt also noch das Rauchen aufgeben, Sport treiben, nur noch gesund essen, mich sozial engagieren, das alles um gesund zu bleiben?“ Das mag sich so mancher HIV-Infizierte fragen, der den Flyer der Aktion „Beweg Dich“ liest. Ja, das Leben mit HIV ist länger geworden und auch gesünder, aber deshalb nicht einfacher! Weil Positive länger leben, bekommen sie nun natürlich auch all die Beschwerden, die ältere Menschen nun mal bekommen: Probleme mit Herz und Kreislauf, Leberfunktion, Nierenfunktion, Knochenstoffwechsel und verschiedenen Krebsarten. Anders als bei nicht Infizierten ist bei Positiven die Wahrscheinlichkeit höher, diese Probleme zu bekommen, und zudem auch noch heftiger. Ein guter Grund also, sich darum zu kümmern, auch als älterer Mensch fit zu bleiben. Mir geht es aber bei diesem Fitnessprogramm, das bewusst nicht nur körperliche Aspekte betont, nicht um ein weiteres Lifestyle-Projekt, das noch attraktivere, besser aussehende, jugendlich wirkende alte Männer zum Ziel hat. Mir geht es darum, dass wir Positiven auch im Alter möglichst wenig altersbedingte Beschwerden und Einschränkungen haben, und dies gibt es nun mal nicht „auf Rezept“, da muss jeder selbst dafür sorgen! Auch in dieser Hinsicht wird HIV bzw. das Leben mit dem Virus immer normaler: Wir haben fast die gleiche Lebenserwartung wie nicht Infizierte, bekommen die gleichen altersbedingten Probleme und müssen genau wie sie selbst aktiv werden, um dem vorzubeugen. Viele von uns haben sich daran gewöhnt, etwas eingeschränkt, aber gut versorgt zu sein, und sind bequem geworden. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeiten, als es nur wenige Medikamente gab, die schlecht wirkten und viele Nebenwirkungen hatten. Auch ich wollte diese bitteren Pillen nie schlucken, und habe mit alternativen Heilverfahren alles Mögliche versucht, das Virus in mir in Schach zu halten. Was gab es da nicht alles: Sport, Entspannungsverfahren, spezielle Diäten, und vieles mehr. Wir trafen uns regelmäßig in Selbsthilfegruppen, auch um die neuesten Trends bei den alternativen Verfahren zu erfahren. Das hat das Virus zwar nicht bekämpfen können, aber war auch nicht ganz nutzlos. Schon damals gab es z.B. Studien, die belegten, dass Positive, die Sport treiben, länger gesund bleiben, als Positive, die nichts tun. LINK-TIPP: Alle Infos und Angebote zur Aktion "beweg dich!" [ Kaum gab es eine vernünftige Therapie, waren diese alternativen Verfahren schnell vergessen, auch bei mir. Auch die Selbsthilfegruppen lösten sich fast alle auf. Mit den wirksamen Medikamenten wurde HIV wieder ein medizinisches Problem, dass der Arzt mit seinen Rezepten schon in den Griff bekommen würde. Leider ist damit auch viel Selbstverantwortung und gesellschaftliches Engagement eingeschlafen, die ich mit „Beweg Dich“ gern wieder aufwecken würde. Die Pillen halten das Virus in unserem Körper gut in Schach, mehr aber auch nicht! Es ist an uns, den Körper fit zu halten für ein langes Leben. Es ist besonders auch an uns selbst, die Gesellschaft dazu zu bringen, uns vorurteilsfrei und ohne Angst zu begegnen. Auch das können die Pillen nicht schaffen! Wir müssen heute zwar nicht mehr solche Angst vor Diskriminierung haben, wie früher. Aber meiner Meinung nach liegt das zum Teil auch daran, dass heute HIV und HIV-Infizierte nicht mehr so sichtbar sind. Die Ängste der Gesellschaft vor HIV-Infizierten sind nämlich oft noch die alten. Wie sollte sich das auch ändern, wenn wir alles dafür tun, bloß nicht aufzufallen? Wir müssen sichtbarer werden, als Arbeitskollegen, als Trainingspartner im Fitness-Studio, als Nachbar und als Liebhaber. Nur dann hat unsere Umgebung die Chance zu kapieren, dass HIV wirklich immer mehr zu einer normalen Erkrankung wird. Bewegen wir uns also! Engelbert Zankl Mitarbeiter der HIV-Therapie-Hotline [ |
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