Unsere
Mitglieder-
versammlung
  Unser
Vorstand
  Unsere
Struktur
  Unsere
Leitung
  Unser Team
  Regenbogen-
stiftung
  Kooperation/
Vernetzung
  Kolumne
  Aids-
Memorial
  HIV-Info-
Radio
  QUILT - Das Magazin
  SWITCH -
die andere
Seite
  Mitglied
werden!
  Satzung
  Leitbild
  Führungs-
grundsätze
  Zusammen-
arbeit mit
Pharma-
unternehmen
  Rahmenkon-
zept für die
Drogenarbeit
  Newsletter
VEREIN 
Forum | Feedback | Impressum 
Kolumne
   
Kommt das Jahrzehnt der Heilung?

(Januar 2010)

 
   Michael Tappe,
 Fachlicher Leiter und
 stellv. Geschäftsführer
   
Das neue Jahr beginnt als das erste Jahr eines neuen Jahrzehnts. Neues Jahrzehnt – neues Zeitalter? Aids hat schon einige Zeitalter oder Jahrzehnte hinter sich:

Die 80er Jahre, in denen die Panik so groß war wie die Hilflosigkeit. Das Jahrzehnt des Sterbens und der politischen Kämpfe um den richtigen Weg in der Prävention. Die politischen Kämpfe konnten im Sinne der Vernunft und der Menschlichkeit erfolgreich beendet werden. Die Lernstrategie, die auf Aufklärung, Selbstbestimmung und Akzeptanz der Lebensstile der Hauptbetroffenen setze, wurde zur allgemeingültigen Präventionsstrategie in Deutschland und beschert uns heute die niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Das Sterben hatte (aus heutiger Sicht) bald ein Ende.

In den 90ern standen Medikamente zur Verfügung die wirkten, seit 1996 gibt es die Kombinationstherapie.

Spätestens zur Jahrtausendwende begann das Jahrzehnt der Normalisierung. Aids war nun nicht mehr in jedem Fall tödlich und wandelte sich zusehends zur chronischen, behandelbaren Krankheit. 2009 gingen sogar vorsichtige HIV-Behandler davon aus, dass ein HIV-Infizierter bei optimaler Therapie (die es freilich nur in reichen Industrienationen gibt) eine fast normale Lebenserwartung hat. Dank der Therapie wird die Virusmenge im HIV-Infizierten soweit gesenkt, dass auch die Ansteckung eines Sexualpartners fast ausgeschlossen werden kann.

Stehen wir nun am Beginn eines neuen Jahrzehnts, dem der Heilung? Zu mindestens der Titel der 13. Münchner Aids-Tage, die vom 5. bis 7 März stattfinden, legt dies nahe. Er lautet: „HIV/Aids besiegen: Visionen der Heilung“. Nicht nur der Kongressleiter Hans Jäger glaubt an diese Vision. Aber er ist als einer der erfahrensten Aids-Experten in Deutschland sicherlich niemand der so etwas leichtfertig oder voreilig sagen würde. Insofern ist der Titel nicht nur eine plakative Werbung für einen großen HIV-Kongress, sondern ein ernst gemeintes Statement: wir schaffen die Heilung!

Nun wird unter dem Begriff „Heilung“ ja durchaus unterschiedliches verstanden. Für den einen ist es die Eliminierung des Virus aus dem Körper, für den anderen ist es die Ermöglichung eines normalen, auch normal langen Lebens ohne Beeinträchtigungen durch HIV. Selbst das schier unerreichbar erscheinende Ziel der Eliminierung wird wieder diskutiert und wer weiß, ob es sich nicht in diesem Jahrzehnt erreichen lässt. Schließlich wurden bei keiner anderen Infektionskrankheit so schnell so große Fortschritte gemacht.

Aber das weniger hoch gesteckte Ziel, das „normale“ Leben mit HIV ohne krank zu werden, scheint greifbar nah. Nicht wenige HIV-Infizierte, auch ich selbst, gehen heute davon aus, dass sie mit dem Virus alt werden und richten sich darauf ein. Zwar scheinen HIV-Infizierte schneller zu altern und auch mehr altersbedingte Gesundheitsprobleme zu bekommen, als Nicht-Infizierte, aber dem kann man ja vorbeugen durch gesunde Ernährung und Sport.

Ob Heilung in den nächsten 10 Jahren wirklich erreicht wird, oder nicht, eines ist sicher: auch die kommenden Jahre werden spannend und bringen viele Veränderungen, hoffentlich zum Guten. Dass ich diese Jahre erleben darf, erscheint mir heute sehr selbstverständlich, dabei ist es eigentlich ein Wunder. Unvorstellbar lange 24 Jahre ist es nun her, dass mein damaliger Arzt mir sagte, ich hätte noch zwei Jahre zu leben. Er sagte das, um mich zu trösten.

So freue ich mich auf das Jahrzehnt der Heilung, und hoffe, dass bald nicht nur Menschen wie ich, die das Glück hatten, in einem reichen, aufgeklärten Land mit guter sozialer und medizinischer Versorgung geboren zu sein, in den Genuss eines langen, gesunden, erfüllten und friedlichen Lebens kommen.

Michael Tappe
Fachlicher Leiter und stellv. Geschäftsführer
[ michael.tappe@muenchner-aidshilfe.de]


top