Aktuelle Kolumne

IDAHOBIT 2018: "Wir werden immer sichtbar sein!"

Gepostet: | Kolumne: Marti Jautz

Foto: Bernd Müller

Wir müssen alle mitdenken - auch wenn es anstrengend sein mag

IDAHOBIT? Warum denn schon wieder eine Namensänderung? Sie ist notwendig gewesen, um alle Teilnehmer_innen zu benennen und nicht nur schweigend mitzudenken. Auch, wenn das für manche anstrengend sein mag! Für uns als Münchner Aids-Hilfe e.V., die wir auch rosa Alter und die Trans*Inter*Beratungsstelle beherbergen, ist es sehr wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen und nicht durch Nichtnennung eine Gruppe von Menschen zu ignorieren und damit zu diskriminieren. Daher und für alle noch einmal zur Erklärung, begrüße ich ausdrücklich alle bisexuellen, trans*, inter* und homosexuellen Menschen sowie unsere Freundinnen und Freunde, die mit uns solidarisch sind.

 

Worte auszusprechen, Menschen und Zusammenhänge beim Namen zu nennen ist unglaublich wichtig. Gesetze werden in Worte gefasst. Wie wichtig da eine definierte Wortwahl ist, das erleben wir gerade mit dem bayerischen Polizeiaufgabengesetz. Es wurde von einer Staatsregierung verabschiedet mit einer scheinbaren und doch absoluten Mehrheit. Eben diese Staatsregierung nennt sich „christlich und sozial“!


Der Internationale Tag gegen Homophobie, gegen Transphobie, gegen Interphobie und gegen Biphobie wird heute in Erinnerung an den 17. Mai 1990 begangen. An diesem Tag hat die WHO Homosexualität als Krankheit gestrichen. Transidentität wird bis heute viel zu häufig pathologisiert und exotisiert. Es kann nicht sein, dass Dritte bestimmen, wer ich bin, wie ich mich zu fühlen habe und wie ich zu sein habe.

 

Die AfD hat kürzlich im Bundestag eine Anfrage gestellt, ob es in Deutschland einen Anstieg von Schwerbehinderung gibt. Und ob ein solcher Anstieg mit Inzucht und der Zunahme von Migration zusammen hinge. Das ist empörend! Aber auch die Bayerische Staatsregierung schlägt in dieselbe Kerbe mit ihrem Psychiatrie-Hilfe-Gesetz. Menschen, die sich dem Gesundheitssystem hilfesuchend anvertrauen wollen, sollten wie Strafällige registriert werde. Mit jedem dieser Gesetzesanträge wird die Grenze vom Rechtsstaat zum Überwachungsstaat ein Stück weiter verschoben. Diese rechtsstaats-feindliche Taktik haben die bürgerlichen Parteien bereits von den rechten Demagogen übernommen. Gleichzeitig werden bayerische Bürger_innen, die sich gegen diese Entwicklung stellen, vom ihrem Innenmister Herrmann, als „leichtgläubige Opfer einer Lügenpropaganda“ diffamiert. Es braucht also wieder einmal einen Sündenbock, auf den man eindreschen kann. Eine ungute deutsche Tradition!

 

Ich fühle mich sehr an die Zeit der großen Aidskrise in den 80ern erinnert, als Bayerns Schulminister Zehetmair (CSU) über die Schwulenszene sein Urteil sprach. Zitat: "Es geht darum, dass dies contra natura ist, naturwidrig" - "Dieser Rand muss dünner gemacht werden, er muss ausgedünnt werden!"
Es ist also gut, ja notwendig, dass wir auch heute wieder hier sind. Nach Verunglimpfung, Diskriminierung und Ausgrenzung sind wir immer noch hier und auch in Zukunft werden wir hier sichtbar bleiben.

 

Die Münchner Aids-Hilfe, mit „rosa Alter“ und der „Trans* Inter* Beratungsstelle hat sich dem aktuellen Aufruf des „Aktionsplans Queeres Bayern“ angeschlossen. Wir fordern von der Bayerischen Staatsregierung:

• Erstellt endlich auch für Bayern nach europäischen Vorgaben ein Aktionsplan zur Bekämpfung von Homo-, Trans-*, Inter-* und Biphobie.
• Ebenso dringend ist eine Koordinierungsstelle für queere Lebensfragen an der Bay. Staatskanzlei einzurichten.
• Unter www.aktionsplan-queeresbayern.de könnt Ihr den Aufruf auch selbst unterzeichnen.

 

Was können wir noch tun? Mein demokratisches Verständnis ist, dass eine Regierung erst einmal gewählt werden muss. Und, dass eine absolute Mehrheit nicht durch eine Mehrheit der Nichtwähler legitimiert sein kann.

 

Nehmt euch also unseren neuen Ministerpräsidenten Söder zum Vorbild und bringt ein Kreuz an. Und zwar demonstrativ auf dem Stimmzettel am 14.10.2018 bei der bayerischen Landtagswahl.

 

Eine Galerie vom IDAHOBIT 2018 findet ihr auf unserem Facebook-Profil: Münchner Aids-Hilfe

Kontakt: Beratungsstelle der Münchner Aids-Hilfe e.V.
Martin Jautz | (0) 89 54 333-113 | martin.jautz@muenchner-aidshilfe.de

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